05. 05. 2010 10:38

Zeitungen, Facebook, Google Street und Co. - die Gaunerzinken von heute?

Einbruchsschutz: Oberösterreichische Versicherung und die Sicherheitsdirektion Oberösterreich geben Sicherheitstipps gegen "moderne Gaunerzinken"

Gaunerzinken sind grafische Darstellungen an Häusern, um Einbrechern anzuzeigen, ob sich ein Einbruch lohnen könnte. Abgelöst werden diese "Hilfsmittel" heutzutage durch neue Medien. Professionelle Banden nutzen diese immer öfter, um Informationen über Einbruchsobjekte zu bekommen. Doch überhöhte Ängste vor diesen neuen Medien sind nicht angebracht, zeigen die Oberösterreichische Versicherung und die Sicherheitsdirektion OÖ auf: Jeder Einzelne kann durch richtiges Verhalten und mit geeigneten Maßnahmen das Einbruchsrisiko entscheidend vermindern.

Der Einbruchsschutz steht heuer wieder im Zentrum des alljährlichen österreichweiten Sicherheitstages der Österreichischen Länderversicherer, der in Oberösterreich von der Oberösterreichischen Versicherung und der Sicherheitsdirektion Oberösterreich begleitet wird.  Dies aus aktuellem Grund: Gerade in Oberösterreich gab es in den letzten Wochen eine Vielzahl an Meldungen zu Facebook, Google Street View und anderen sozialen Netzwerken beziehungsweise elektronischen Landkarten, die als eine neue Gefahr für Einbrüche angesehen werden. Einbrecher erhalten damit wesentlich einfacher Zugang zu wichtigen persönlichen Informationen der Haus- und Wohnungseigentümer, wie zum Beispiel über geplante Urlaubsfahrten, Ausflüge oder über die Lage und Erreichbarkeit eines Hauses.

Doch nicht nur über diese Medien informiert sich der Einbrecher von heute. So zeigt die Erfahrung der Sicherheitsdirektion Oberösterreich, dass auch Zeitungen ein wichtiges Informationsmedium für Einbrecher sind. "Wir hatten bereits einige Fälle, in denen nach Todesanzeigen in Zeitungen eingebrochen wurde. Die Täter konnten sich sicher sein, dass zu dieser Zeit keiner im Haus anzutreffen war", so Sicherheitsdirektor Mag. Dr. Alois Lißl.


Einbrecher holen auch telefonische Auskünfte bei Arbeitgebern ein, um zu wissen, ob jemand in Urlaub oder nur kurz abwesend ist. "Unternehmen sollten daher nicht auf den Urlaub, sondern nur auf die momentane Abwesenheit des Mitarbeiters hinweisen", rät Mag. Dr. Lißl. Insgesamt zeigt sich, dass professionelle Einbrecher von heute verschiedene Kanäle nutzen, um so viele Informationen wie möglich über das Einbruchsobjekt zu bekommen.

Auch die Oberösterreichische Versicherung stellt dies in ihrem Versicherungsalltag fest. "Immer mehr Häuser werden gezielt und systematisch von Profis aufgesucht und bis auf den letzten wertvollen Gegenstand ausgeraubt. Deshalb ist es uns wichtig, Aufklärung in diese Richtung zu betreiben und mögliche Sicherheitslücken präventiv aufzuzeigen", berichtet Generaldirektor Dr. Wolfgang Weidl.

Die Zahl der Einbrüche ist bei der Oberösterreichischen Versicherung 2009 im Vergleich zum Vorjahr gesunken, ein Umstand, den Dr. Weidl nicht zuletzt auch auf die Aufklärungsarbeit und die zunehmende Umsetzung der Sicherheitstipps im Alltag zurückführt. Der Durchschnitts-schaden ist aber bei den Versicherungsfällen nach wie vor auf hohem Niveau. Dr. Weidl: "Einzelne Einbrüche werden deutlich teurer, weil die Professionalität der Einbrecher zunimmt. Die Nutzung dieser neuen Medien kann eine weitere Möglichkeit für Einbrecher sein, sich untereinander besser zu vernetzen."

Eine Zunahme bei den organisierten professionellen Einbruchstätern und den spezialisierten gewerbsmäßigen Einbruchstätern sieht auch Dr. Lißl. Während insgesamt die Einbruchsstatistik rückläufig ist, steigen hingegen bei den Umlandbezirken Wels, Grieskirchen, Gmunden und Vöcklabruck und bei Gebieten an Hauptverkehrsrouten die Einbrüche weiterhin zum Teil stark an (zB + 34 % in Wels, + 72 % in Gmunden oder + 74,6% in Vöcklabruck ).  


"Dies sind Gebiete, wo vor allem professionelle Banden am Werk sind. Diese Tätergruppe kann auch als potentielle Nutzer dieser neuen Medien angesehen werden, während sich Berufseinbrecher, Beschaffungskriminelle oder Gelegenheitseinbrecher nach wie vor vorrangig an offensichtlichen Sicherheitsmängeln am Haus orientieren", skizziert Dr. Lißl.

Dennoch sieht der Sicherheitsdirektor keine große Gefahr durch zum Beispiel Google Street View: "Es gibt bereits elektronische Landkarten wie Google map, Bing oder dgl., die beste lokale Darstellungen liefern. Die Befürchtung, Street View könne darüber hinaus Details über vorhandene Schwachpunkte am Haus liefern, ohne dass der Einbrecher beim elektronischen Auskundschaften entdeckt  werden kann, ist natürlich berechtigt. Dennoch wird es in Österreich noch Monate dauern, bis die Bilder zur Verfügung stehen und die räumliche Situation kann sich zwischenzeitlich ändern. In Ländern, wo Street View bereits zur Verfügung steht, wie England, Holland oder Italien, gab es bisher keine negativen polizeilichen Erkenntnisse."

Dr. Lißl geht davon aus, dass sich Profis auch zukünftig primär auf die eigene Wahrnehmung verlassen. "Hauptkriterium für einen Einbruch bleibt, ob das Haus unbewohnt aussieht und offensichtlich ohne Schwierigkeiten eingebrochen werden kann", so der Sicherheitsdirektor.

Sicherheitsmaßnahmen am Haus sind nach wie vor der beste Schutz vor Einbruch!
Es behalten nach wie vor jene Sicherheitstipps ihre Gültigkeit, die von der Sicherheitsdirektion Oberösterreich, der Oberösterreichischen Versicherung und vielen anderen Institutionen bereits seit Jahren aufgezeigt werden:
* Signalisieren Sie durch Licht, Radio udgl. Anwesenheit
* Sorgen Sie für gut einsehbare Eingänge
* Installieren Sie Bewegungsmelder
* Geben Sie Nachbarn Bescheid, wenn Sie verreisen ("Stichwort Wachsamer Nachbar")
* Sorgen Sie dafür, dass Post und Werbematerial weggeräumt wird
* Fenster und Türen sind die bevorzugten Einsstiegsstellen: Sorgen Sie daher für ausreichenden mechanischen Einbruchsschutz bei Türen und Fenstern.
* Lassen Sie Schwachstellen elektronisch sichern

Eine weitere Möglichkeit, um Einbrechern die Anwesenheit vorzutäuschen, sind Zeitschaltuhren. Damit können zum Beispiel automatisch Lichter oder auch Rollläden gesteuert werden.


Neue Medien: Vorsicht bei persönlichen Daten im Internet ist notwendig

Eine wesentlich größere Gefahr als die Zunahme von Einbruchsdelikten durch die neuen Medien ist für Dr. Lißl die Möglichkeit, Opfer von Betrugsversuchen oder Bedrohungen durch sog. Internetkriminelle (Spammer, Phisher, Malware-Autoren,..) zu werden. "Es ist wichtig, von Beginn an die Risiken zu kennen und zu wissen, wie man sich vor ihnen schützen kann. Seien Sie aufmerksam mit Ihren persönlichen Daten im Internet," raten Dr. Weidl und Dr. Lißl.