Wildunfälle

Wildunfälle sind kein Schicksal

So brachte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (Kfv), die Gefahr vermehrter Wildunfälle im Herbst, aber auch die Verantwortlichkeiten auf den Punkt. „Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht“, so ein allseits bekanntes, aber oftmals zu wenig beachtetes Sprichwort. Auch der Großteil der Wildunfälle könnte – nicht nur durch technische Schutzeinrichtungen – verhindert werden. Durch das Beachten von einfachen Verhaltenstipps könnte der Unfall selbst, oder zumindest allzu hohe Schäden vermieden werden.

Im Herbst werden die Sonnenstunden wieder weniger und die Tage kürzer. Die durch die Jahreszeit bedingten Lichtverhältnisse haben die Rush Hour im täglichen Pendlerverkehr in die Dämmerung gleiten lassen. Die Übergänge zwischen Wald, Wiese und Feldern werden traditionell zur Gefahrenzone: Mit Straßenquerungen von Wildtieren ist wieder vermehrt zu rechnen.

Acht Wildunfälle pro Stunde

Wildunfälle in Österreich

Die Zahlen sprechen eine drastische Sprache

Die Statistik spricht dabei eine drastische Sprache: Knapp 80.000 Wildtiere werden jährlich auf Österreichs Straßen getötet. 338 Menschen wurden 2014 bei Kollisionen mit Wildtieren verletzt, zwei kamen sogar ums Leben. Jede Stunde ereignen sich durchschnittlich acht Wildunfälle. Das Risiko wird oftmals unterschätzt, Warnschilder ignoriert. Auch die Gefahr, die von Wildunfällen ausgeht wird stark unterschätzt: Trifft beispielsweise ein Auto mit 50 Stundenkilometern auf ein 80 Kilogramm schweres Wildschwein, wirkt ein Aufprallgewicht von zwei Tonnen auf Fahrzeug und Fahrer.

Geschwindigkeit drosseln, Aufmerksamkeit erhöhen

Die häufigste Ballung an Wildunfällen tritt in der Morgendämmerung sowie zwischen 20.00 und 22.00 Uhr auf. Wichtig ist, vor allem auf die Geschwindigkeit zu achten und die eigene Aufmerksamkeit zu erhöhen. Die heimischen Autofahrerclubs weisen immer wieder darauf hin, dass der Bremsweg auf nassen Straßen um das Dreifache länger sein könnte.

Warner sollen Wildunfälle verhindern

Optische und akustische Warngeräte sollen Tiere vom Queren der Straße abhalten. (Foto: OÖLJV)

Das Land OÖ hat gemeinsam mit dem OÖ. Landesjagdverband und der heimischen Versicherungswirtschaft, allen voran die Oberösterreichische Versicherung, eine Initiative gestartet, um mit Hilfe von optischen und akustischen Wildwarngeräten die Zahl der Wildunfälle zu senken. Auf den Teststrecken konnte die Zahl der Kollisionen sogar um bis zu 93 Prozent gesenkt werden. Seit 2010 werden seither gefährliche Straßenabschnitte mit diesen Wildwarngeräten ausgestattet um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

37 Prozent der Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit.

Verhindern lassen sich Wildunfälle auch mit den besten Warnern nicht, sind sich Experten einig. Deutlich verringern kann das Risiko eines Zusammenstoßes mit einem Wildtier lediglich eine angepasste Geschwindigkeit und Fahrweise sowie vergrößerter Sicherheitsabstand. Auch gilt es Ablenkung beim Fahren unbedingt zu vermeiden. 37 Prozent der Wildunfälle sind auch eine Folge von Unachtsamkeit im Straßenverkehr. „Achtung Wildwechsel“-Schilder in jedem Fall besonders ernst nehmen.

Richtige Reaktion entscheidend – Ruhe bewahren!

Springt ein Tier auf die Straße ist es vor allem wichtig Ruhe zu bewahren, kontrolliert bremsen, abblenden und hupen, rät das Kfv. Ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, am besten stark bremsen und das Lenkrad festhalten. Bei richtiger Reaktion kann die Verletzungsgefahr für Lenker und die Insassen relativ gering gehalten werden. Riskante Ausweichmanöver unbedingt vermeiden, sie bergen oft höheres Risiko als der Zusammenstoß.

Auch wenn das Ausweichmanöver gelingen sollte, ist oft die Kollision mit einem weiteren nachkommenden Tier unausweichlich!

Meldepflicht bei Wildunfällen

Ist ein Wildunfall passiert, muss die Gefahrenstelle abgesichert und die Exekutive verständigt werden. Wer keine Meldung vornimmt, macht sich wegen Nichtmeldens eines Sachschadens strafbar. Gemäß § 4 Abs. 5 der Straßenverkehrsordnung besteht bei einem Wildschaden unverzüglich Verständigungspflicht. Getötetes oder verletztes Wild darf auf keinen Fall mitgenommen werden, auch nicht zum Tierarzt! Es drohen unter Umständen empfindliche Strafen.

Quellen: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs, Kuratorium für Verkehrssicherheit, OÖ. Landesjagdverband