Christbaumbrand

Christbaumbrand: Pech oder Fahrlässigkeit?

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum – die Adventzeit ist die stillste Zeit im Jahr, aber auch die brandgefährlichste. Zwischen 500 und 800 Wohnungsbrände ereignen sich jährlich in den Tagen vor und um Weihnachten. Das zeigen Erhebungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) und der Brandverhütungsstelle für Oberösterreich. Nicht wenige Menschen werden dabei teils schwer verletzt. Oft wären Brandfälle als Folge von unbeaufsichtigten Kerzen auf Adventkränzen oder Christbäumen ganz einfach zu verhindern. Unangenehm wird es zudem, wenn ein Christbaumbrand infolge von Fahrlässigkeit ausbricht …

Wussten Sie, dass ein Christbaum von rund zwei Metern Höhe etwa 400.000 Nadeln hat? Hauptbestandteile dieser Nadeln sind Zellulose, ätherische Öle und Wasser. Oft werden die Fichten und Tannen für den Heiligen Abend bereits im Herbst gefällt. Dadurch haben sie zu Weihnachten einen Großteil ihres Wassergehaltes in den Nadeln eingebüßt. Auch die Heizungsluft in der Stube senkt den Wasseranteil weiter ab. Übrig bleiben die brennbaren Bestandteile, vor allem die ätherischen Öle (= Harz). Die Entzündlichkeit der Zweige steigt dadurch enorm an. Die Gefahr, dass ein Christbaumbrand ausbricht, nimmt so stetig und unbemerkt zu. Das gilt natürlich auch für den Adventkranz oder ein Tischgesteck.

Gefahr unterschätzt: Innerhalb von 20 Sekunden in Vollbrand

Jeder Tag, an dem die Tanne in der geheizten Wohnung steht, erhöht sich das Risiko für einen Christbaumbrand. In nur 20 Sekunden kann ein Weihnachtsbaum im Vollbrand stehen, innerhalb von eineinhalb Minuten unter Umständen die ganze Wohnung. Nicht nur dass die Gefahr von Wohnungsbränden grundsätzlich unterschätzt wird, laut dem KfV sind entsprechende Warn- und Löschgeräte in den heimischen Haushalten noch unterrepräsentiert: Erst jeder dritte Haushalt mit Kindern unter 15 Jahren verfügt über (taugliche) Rauchmelder. Lediglich die Hälfte der Befragten besitzt einen Feuerlöscher. Dabei kommen jedes Jahr durchschnittlich zwischen 16 und 30 Menschen bei rund 4.000 Wohnungsbränden ums Leben. Sechs Kinder unter 15 Jahren sind in den vergangenen fünf Jahren in den eigenen vier Wänden an den Folgen eines Brandes gestorben. „Oftmals genügen nur wenige Augenblicke der Unachtsamkeit und die Katastrophe ist perfekt“, so der Direktor der Brandverhütungsstelle für Oberösterreich, Dr. Arthur Eisenbeiss.

Wie groß die Gefahr eines lodernden „Weihnachtsfeuers“ tatsächlich ist, zeigt die Brandschadenstatistik: Kerzen sind und bleiben die gefährlichsten „Brandstifter“ – 60 Prozent aller durch Kerzen verursachten Brände entfallen auf die Wochen rund um Weihnachten. Dabei handelt es sich allerdings nur um die aktenkundig gewordenen Fälle. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt: „Zum Glück werden viele solcher Brände rechtzeitig bemerkt und in einem Stadium bekämpft, wo die Sachschäden noch relativ gering sind.“ Als Mittel der ersten Löschhilfe kommt dabei ein Eimer Wasser ebenso in Frage wie eine Löschdecke oder – im optimalen Fall – ein tragbarer Feuerlöscher.

Im Ernstfall: Alarmieren – Retten – Löschen
Christbaum

Steht der Christbaum in Vollbrand, machen eigene Löschversuche kaum mehr Sinn

„Gerät ein Adventkranz in Brand und wird die Gefahr rechtzeitig erkannt, kann sie relativ gut beherrscht werden. Solange sich die Flammen nicht ausgebreitet haben, kann der Adventkranz mit einem tragbaren Feuerlöscher oder mit einer Löschdecke gelöscht werden“, erklärt Eisenbeiss. Gerät hingegen der Christbaum in Brand, bleiben meist nur mehr wenige Augenblicke Zeit, um den Entstehungsbrand zu löschen. „In vielen Fällen genügen nur zehn Sekunden, bis der Christbaum in Vollbrand steht. Die Ausbreitung des Brandes erfolgt zumeist rasend schnell, nur wenige Augenblicke später steht dann das ganze Zimmer in Flammen“.

Durch die rasante Brandausbreitung gelte bei einem Christbaumbrand immer der Grundsatz Alarmieren – Retten – Löschen. „Und zwar in dieser Reihenfolge“, so der BVS-Direktor. „Wenn der Christbaum erst einmal in Vollbrand steht, machen eigene Löschversuche kaum mehr Sinn. Dann ist es wichtig, die Feuerwehr zu rufen, die Nachbarn zu warnen und die eigene Familie in Sicherheit zu bringen!“

Den Christbaumbrand am besten verhindern

Glücklich ist, wer eine Eigenheim-, vor allem aber eine Haushaltsversicherung hat. So können in der Regel zumindest die monetären Schäden abgedeckt werden. Das durch den Schaden bereits entstandene Ungemach könnte sich aber vergrößern, wenn sich herausstellt, dass grob fahrlässig gehandelt wurde. Gemäß § 61 Versicherungsvertragsgesetz (VersVG) ist das Versicherungsunternehmen von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit herbeiführt. Wer also beispielsweise brennende Kerzen auf dem Adventkranz, wenn auch nur kurz, unbeaufsichtigt lässt, könnte unter Umständen Schwierigkeiten mit dem Versicherungsunternehmen bekommen. Auch die heimischen Gerichte gehen davon aus, dass es ein grundlegendes Verhaltensgebot sei, dass Gefahrenquellen, wie etwa offenes Feuer niemals unbeaufsichtigt gelassen werden dürfen. Jeder Versicherungsfall wird – auch von unabhängigen Sachverständigen – genauestens geprüft, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Der beste Versicherungsfall ist jedoch freilich der, der gar nicht erst eintritt.

Einfache Tipps für geruhsame und feuerfreie Festtage

Deshalb auf den stimmungsvollen Brauch des Anzündens von Adventkranz- oder anderen Kerzen zu verzichten, hieße aber über das Ziel hinaus zu schießen. „Die eigentliche Gefahr liegt in der mangelnden Vorsicht bei der Handhabung offener Flammen“, erklärt Eisenbeiss. Schon die Befolgung einiger weniger Sicherheitstipps könne die Brandgefahr deutlich reduzieren:

  • Zum Aufstellen des Christbaumes standfeste Christbaumständer verwenden. Der Stamm des Christbaums sollte sicher im Ständer befestigt sein. Mit Wasser gefüllte Christbaumständer verhindern ein zu rasches Austrocknen des Baumes. Den Baum bis zu seiner Aufstellung kühl lagern.
  • Unter den Christbaum am Besten eine schwer entflammbare Unterlage, zum Beispiel eine Löschdecke, legen.
  • Vorzugsweise elektrische Kerzen (z.B. LED) verwenden, die wenig Wärme erzeugen. Ohne Hitze und offene Flamme ist das Brandrisiko stark reduziert.
  • Bei der Anbringung von Kerzen immer auf ausreichend Abstand zu Vorhängen oder anderen brennbaren Materialien wie Ästen oder Deko-Material achten.
  • Nicht brennbare Kerzenhalter reduzieren die Brandgefahr ebenso wie Kerzen, die senkrecht mit entsprechendem Abstand zu anderen Ästen und Christbaumschmuck auf stabilen Ästen montiert sind. Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen lassen!
  • Kerzen auf Adventkränzen und Christbäumen rechtzeitig auswechseln, bevor sie niederbrennen und die in beheizten Räumen schnell austrocknenden Äste entzünden.
  • Wunderkerzen vermeiden! Einmal angezündet können sie nicht mehr gelöscht werden und sprühen in alle Richtungen.
  • Benützen Sie auf keinen Fall Christbaumschnee aus Spraydosen, wenn die Kerzen bereits brennen – durch brennbare Treibmittel können diese regelrecht zu „Flammenwerfern“ werden. Auch der Kunstschnee selber kann brennbar sein, daher auf entsprechende Produkte achten!
  • Kinder oder auch Haustiere nie unbeaufsichtigt in der Nähe von brennenden Kerzen lassen. Streichhölzer oder Feuerzeuge für Kinder unerreichbar aufbewahren.
  • Immer Einen Feuerlöscher oder einen Kübel Wasser beim Anzünden der Christbaum‐Kerzen in Griffweite stellen. Beim Löschen nicht zögern! Im Ernstfall zählt jede Sekunde . . .
  • Wenn es trotzdem brennt: Alarmieren – Retten – Löschen!
    (in dieser Reihenfolge!!!)

Die gute Nachricht vom Christkind: Die Weihnachtsgeschenke sind natürlich auch versichert.

 

Quellen: Kuratorium für Verkehrssicherheit, Brandverhütungsstelle für OÖ
Bilder: Brandverhütungsstelle für OÖ