Versicherungen absetzen

Steuern: Versicherungen absetzen, geht das noch?

Anfang Juli 2015 wurde vom Nationalrat das so genannte Steuerreformgesetz 2015/2016 beschlossen, das mit 1. 1. 2016 in Kraft getreten ist. Neben einer von der Regierung angekündigten „deutlich spürbaren Entlastung“ der Einkommen, bringt das neue Gesetz vor allem auch Auswirkung auf die Behandlung der so genannten Sonderausgaben im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung mit sich: Versicherungen absetzen, also Versicherungsprämien für bestehende freiwillige Personenversicherungen als Sonderausgabe geltend machen, gehört der Vergangenheit an. Für Verträge, die vor dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurden, gilt aber bis zum Jahr 2020 eine Übergangsregelung.

Wer Einkünfte aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit bzw. Pensionen bezieht, hat die Möglichkeit freiwillig eine so genannte Arbeitnehmerveranlagung abzugeben. Das macht auch Sinn, weil es im Normalfall Geld vom Finanzamt zurückgibt. Dafür ist nicht zuletzt auch der Topf „Sonderausgaben“ verantwortlich, der bisher eine steuerliche Berücksichtigung von Beträgen zu freiwilligen Kranken-, Unfall oder Pensionsversicherungen, bestimmten Lebensversicherungen sowie Ausgaben zur Wohnraumschaffung oder –sanierung vorsah. Diese Möglichkeit besteht seit dem 1. Jänner diesen Jahres nur mehr für bereits bestehende Verträge und längstens bis ins Jahr 2020.

Versicherungen absetzen, wenn ja, welche?

Grundsätzlich konnte schon bisher nur eine Auswahl an Versicherungsverträgen, nämlich jene für die private Krankenversicherung, Unfallversicherung und Lebensversicherungen als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Ab 2020 können auch diese Versicherungen nicht mehr als Sonderausgaben eingebracht werden. Werden die Prämien als Einmalerlag bezahlt, ist eine Aufteilung auf zehn Jahre möglich. Dafür ist jedoch ein Ansuchen beim jeweiligen Finanzamt notwendig.

Hinweis: Für alle diese Versicherungen wird vom jeweiligen Versicherungsunternehmen eine Bestätigung zur Vorlage beim zuständigen Finanzamt ausgestellt und mit der Post oder via E-Mail zugestellt.

Zu beachten ist, dass Beiträge für die freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung nicht unter die gleiche Kategorie Sonderausgaben fallen und auch ab 2016 in unbegrenzter Höhe angesetzt werden können.

Sonderausgaben: Was ist neu ab 01. Jänner 2016?

Schon bisher waren Sonderausgaben auf einen jährlichen Höchstbeitrag von 2.920 Euro begrenzt. Wem ein Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag zuerkannt wurde, der konnte die doppelte Summe von 5.840 Euro in Anspruch nehmen. Dazu kamen bisher weitere 1.460 Euro wer mindestens drei Kinder hatte.

Weil schon bisher im Rahmen der Veranlagung nur höchstens ein Viertel des Maximalbetrages – 2015 im günstigsten Fall also 1.825 Euro – wurden Herr und Frau Steuerzahler selten durch die Veranlagung bzw. ihre Sonderausgaben reich, wie die Zeitschrift KONSUMENT in der Ausgabe 01/2016 anschaulich darstellt:

Für Einkommen von mehr als 36.400 Euro griff bereits bisher jährlich eine „Einschleifregelung“: Die absetzbaren 25 Prozent der Sonderausgaben verminderten sich gleichmäßig bei steigendendem Einkommen, so dass sich ab einer Einkommenshöhe von 60.000 gar kein absetzbarer Betrag mehr ergab. Dafür wurde vom Finanzamt in diesen Fällen automatisch eine Sonderausgabenpauschale von 60 Euro in Abzug gebracht.

Übergangsregelung: Das Viertel wird kleiner!

Mit der nun in Kraft getretenen Steuerreform kommt nun eine Übergangsregelung, die neben der Streichung des Kindererhöhungsbetrages auch einen niedrigeren Maximalbetrag vorsieht: Statt der bisher gültigen 1.825 Euro werden zwischen 2016 und 2020 Prämienzahlungen für bereits bestehende, also vor dem 01. Jänner dieses Jahres abgeschlossenen Versicherungsverträge (siehe oben) nur noch mit höchstens 1.460 Euro berücksichtigt. Versicherungen absetzen, also Prämien für bestimmte Versicherungsverträge, die nach dem 01. Jänner abgeschlossen wurden, steuerlich zu berücksichtigen ist nicht mehr möglich.