Gesetzliche Alterspension in Österreich

Die gesetzliche Alterspension ist und bleibt das Fundament der Vorsorge für das Alter für Herrn und Frau Österreicher. Zwar wird sich, nicht zuletzt aus demographischen Gründen, das Niveau nach unten anpassen und sind weitere Reformen unabdingbar um die Finanzierung auch für zukünftige Generationen zu gewährleisten. Dass die gesetzliche Alterspension trotzdem die Hauptvorsorge für die Grundversorgung im Alter sein wird darf wohl als unbestritten betrachtet werden. Leistungen aus privater Vorsorge (beispielsweise Rentenversicherung) oder einer betrieblichen Vorsorge (beispielsweise Pensionskasse) stellen sinnvolle, zukünftig vielleicht gar unabdingbare, Ergänzungen zur gesetzlichen Pension dar.

Folgend soll im Überblick die gesetzliche Alterspension in ihren verschiedenen Varianten im Überblick dargestellt werden. Wir beziehen uns auf Personen welche ab 1.1.1955 geboren worden sind UND das APG (Allgemeines Pensionsgesetz) anzuwenden ist und somit der Berechnung im Pensionskonto (mehr dazu im Blog: Das Pensionskonto) unterliegen.

DIE VERSCHIEDENEN ARTEN DER ALTERSPENSION

Reguläre Alterspension

Diese sollte eigentlich die „normale“ Pensionsart in Österreich sein. Maßgeblich ist hier das Vorliegen zweier wesentlicher Kriterien:

  • Erreichen des regulären Pensionsalters
  • Erfüllen der Wartezeit (Anzahl von Versicherungsmonaten im System in der Sozialversicherung)

Reguläres Pensionsalter

Diese beträgt bei

  • Männern: 65 Jahre
  • Frauen: 60 Jahre

Das reguläre Pensionsalter für Frauen wird jedoch, beginnend mit 2024, schrittweise bis 2032 an jenes der Männer angepasst. Je nach Geburtsjahrgang erfolgt eine Erhöhung in Schritten von 6 Monaten.

Tabelle Pensionsalter der Frauen im Blog Allgemeines zur gesetzlichen Alterspension in Österreich

Erfüllen der Wartezeit

Die Wartezeit für die reguläre Alterspension gilt als erfüllt wenn am Stichtag folgende Mindestzeiten vorliegen (beachte: Relevanz des Systems des APG):

  • entweder 15 Beitragsjahre (180 Beitragsmonate) im Laufe der gesamten Erwerbskarriere oder
  • mindestens 15 Versicherungsjahre (180 Versicherungsmonate) innerhalb der letzten 30 Jahre (360 Monate) oder
  • mindestens 25 Versicherungsjahre (300 Versicherungsmonate) im Laufe des Lebens oder
  • für Personen auf die das APG anzuwenden ist (geboren ab 1.1.1955): 15 Beitragsjahre (180 Beitragsmonate, wobei im APG alles Beitragsjahre sind – beispielsweise auch Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld oder Kindererziehungszeiten) – davon mindestens 7 Jahre (84 Monate) durch eine eigene Erwerbstätigkeit begründet (als Erwerbstätigkeit zählt auch: Pflege eines behinderten Kindes, Pflege eines nahen Angehörigen ab Pflegestufe 3, Familienhospizkarenz)

Abschläge

Tritt jemand die reguläre Alterspension an, so gibt es keine Abschläge auf die im Pensionskonto errechnete Pensionsleistung.

Reguläre Alterspension und Zuverdienst

In der regulären Alterspension ist ein Zuverdienst in unbeschränkter Höhe möglich, ohne dass dies Auswirkungen auf die gesetzliche Pension hätte.

 

Korridorpension

Dies ist eine Pensionsart welche es den Versicherten unter gewissen Voraussetzungen, aber mit Konsequenzen, erlaubt auch VOR dem regulären Pensionsalter eine Alterspension in Anspruch zu nehmen.

Voraussetzungen

  • Vollendung des 62. Lebensjahres
  • Erfüllung der Wartezeit von 480 Versicherungsmonaten (40 Jahre)

Für Frauen ist die Korridorpension somit erst ab 2028 relevant, da diese durch die sehr langen Übergangsregelungen zur Angleichung des regulären Pensionsalters an jenes der Männer vorher ohnedies in die reguläre Alterspension übertreten können.

 

Abschläge

Für jedes Jahr des Pensionsantrittes vor dem regulären Pensionsalter kommt ein Abschlag von 5,10 % (pro Monat: 0,425 %) zur Anwendung.

Beispiel: Ein am 14.5.1967 geborener Mann hätte seinen Stichtag für die reguläre Alterspension mit Alter 65 am 1.6.2032. Am 1.9.2030 erfüllt er die Voraussetzungen für die Korridorpension und tritt diese an. Er geht also um 21 Monate vor seinem regulären Pensionszeitpunkt. Seine aus dem Pensionskonto errechnete Pension reduziert sich um 8,925 % (= 21 mal 0,425 %).

 

Zusätzlich zum Abschlag ist jedoch durch die fehlenden Jahre auch die Gesamtgutschrift am Pensionskonto geringer und somit die daraus errechnete Pension. Von dieser wird dann der Abschlag abgezogen.

 

Korridorpension und Zuverdienst

Eine Erwerbstätigkeit, welche eine Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung begründet, führt zum Wegfall der Korridorpension, bei Erreichen des Regelpensionsalters jedoch zu einer Erhöhung der regulären Pension. Ab Erreichen des regulären Pensionsalters kann wieder unbegrenzt dazuverdient werden (wobei jedoch bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze wieder ein pensionsversicherungsbeitragspflichtiges Nebeneinkommen entsteht, welches zu einer außerordentlichen Erhöhung der Pension im Folgejahr führt). Die Abschläge jedoch bleiben erhalten.

 

Schwerarbeitspension

Diese Pensionsart wurde für einen gewissen, besonders schützenswerten, Personenkreis eingerichtet der Schwerarbeit verrichtet hat, wobei Schwerarbeit mitunter kompliziert mit „Energieverbrauch“ (über „Arbeitskalorienverbrauch“) definiert wird. Die betroffenen Personen können über diese Pensionsart ebenso früher in Pension gehen, jedoch zu günstigeren Bedingungen als beispielsweise über die Korridorpension. Die Voraussetzungen sind jedoch beträchtlich höher als bei der Korridorpension.

Voraussetzungen

  • Vollendung des 60. Lebensjahres (für Frauen somit erst ab 2024 relevant)
  • Erfüllung der Wartezeit von 540 Versicherungsmonaten (45 Jahre), davon mindestens 10 Schwerarbeitsjahre (120 Monate) innerhalb der letzten 20 Jahre (240 Monate) vor Stichtag.

 

Schwerarbeit

Das Ministerium hat durch Verordnung geregelt was Schwerarbeit ist. Umfassend könnte man es als alle Tätigkeiten bezeichnen die unter körperlich und/oder psychisch besonders belastenden Bedingungen erbracht werden. Ebenso entscheidend ist ein fiktiver „Arbeitskalorienverbrauch“, welcher bei Männern und Frauen ein unterschiedliches Mindestmaß aufweisen muss (Männer 2.000, Frauen 1.400). Beispiele wären Schicht- und Wechseldienst, Tätigkeiten unter starken klimatischen Einflüssen, berufsbedingte Pflege, usw.

Abschläge

Für jedes Jahr des Pensionsantrittes vor dem regulären Pensionsalter kommt ein Abschlag von 1,80 % (pro Monat: 0,15 %) zur Anwendung. Ebenso ist wiederum, wie bei der Korridorpension, das Guthaben am Pensionskonto geringer.

Schwerarbeitspension und Zuverdienst

Es gilt das gleiche wie bei der Korridorpension

 

Langzeitversichertenpension

Diese Variante kann ebenso einen Pensionsantritt vor dem regulären Pensionsalter ermöglichen. Die Langzeitversichertenpension kann, wie die Korridorpension, ab Alter 62 mit einem etwas niedrigeren Abschlag in Anspruch genommen werden, wobei jedoch die zu erfüllende Versicherungszeit wesentlich herausfordernder ist. Aufgrund der hohen Anforderungen darf die Relevanz der Langzeitversichertenpension für die Zukunft als eher gering angesehen werden.

ABZÜGE VON UND ZUSCHLÄGE ZUR ERRECHNETEN PENSION

Sozialversicherung und Steuern

Von der Bruttopension werden 5,1 % Krankenversicherungsbeitrag sowie die Lohnsteuer laut Einkommenssteuertarif abgezogen. Die 13. und 14. Pension (fällig in den Monaten April und Oktober) sind als Sonderzahlung begünstigt mit 6 % versteuert.

Ausgleichszulage zur Pension

Liegt die errechnete Pension unter dem „Ausgleichszulagenrichtsatz“, welcher jährlich etwas erhöht wird, so kann unter Umständen Anspruch auf eine Ausgleichszulage bis zu diesem Richtsatz bestehen. Zu beachten ist jedoch, dass weitere (Netto-)Einkünfte hier eine Anrechnung erfahren (beispielsweise auch Zinsen). Nicht angerechnet wird jedoch nach derzeitiger Rechtslage bestehendes Vermögen.

Nähere Informationen zur gesetzlichen Alterspension, zur Ausgleichzulage sowie zur Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenpension erhalten Sie auf der Homepage Ihres Sozialversicherungsträgers.

 

Keine Sorgen Blog/ Autor: Markus Reindl MBA MSc MA/ BAV-Spezialist Oberösterreichische Versicherung AG

 

>> Pensionsrechner der Oberösterreichischen Versicherung