Zecken – wie gefährlich sind sie?

17 Zeckenarten sind in Österreich heimisch. Sie können Krankheiten wie FSME oder Borreliose übertragen. Durch Klimawandel und Globalisierung finden auch exotische Zecken wie die subtropische Hyalomma marginatum ihren Weg nach Österreich. Ein Grund zur Beunruhigung? Nach Angaben der Medizinischen Universität Wien treten rund 70.000 Borreliose-Neuerkrankungen pro Jahr auf. Die Zahl der FSME-Fälle lag 2018 bei 154.

Grundsätzlich können überall, wo Zecken vorkommen, auch Krankheitserreger übertragen werden. In erster Linie kommen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und häufiger Borreliose vor. Kein österreichisches Bundesland ist frei von FSME. Hochrisikogebiete sind Gebiete an der Donau zwischen Passau und Linz, Gebiete in der Wachau, bei St. Pölten sowie in und um Wien. Darüber hinaus sind rund 30 % aller Zecken in Österreich mit dem Borreliose-Bakterium infiziert. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Vorarlberg mit 33,9 %, gefolgt von Oberösterreich (28,3 %) und Tirol (27,9 %). 

Was ist FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)?

FSME ist eine Viruserkrankung, die zu einer Entzündung des Gehirns, des Rückenmarks und der Hirnhäute führen kann. Nicht jeder Zeckenstich überträgt das FSME-Virus. Wenn eine Infizierung erfolgt, dann allerdings direkt nach dem Stich. Die Erreger halten sich nämlich auch am Stechapparat der Zecke auf.

Wissenschaftlich betrachtet spricht man von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss. Die Zecke öffnet mit ihrem Mundwerkzeug die Haut und hakt sich fest. Dann sticht sie mit einer Art Saugrüssel und saugt Blut. Also ist es ein Stich.

Welche Symptome treten bei FSME auf?

Nach einer Inkubationszeit von 7 bis 14 Tagen treten grippeartige Beschwerden auf. Die Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Gelenkbeschwerden und Müdigkeit können nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Während es bei den meisten Betroffenen bei dieser ersten Phase bleibt, kommt es bei ungefähr 5 % bis 15 % der Betroffenen nach einer beschwerdefreien Zeit zu Phase 2: die Viren befallen das Nervensystem. Hirnhaut-, Gehirnhaut-, Rückenmarksentzündung oder Lähmungserscheinungen können die Folge sein. Starke Kopfschmerzen, Lichtscheue, Schwindel, Konzentrations- und Sprechstörungen sowie Gehstörungen sind mögliche Symptome. Für etwa 1 % der Patienten mit neurologischen Symptomen endet die Krankheit tödlich.

Welche Folgen hat FSME?

Ist die Erkrankung einmal ausgebrochen, ist sie nicht heilbar. Man kann nur die Symptome lindern. Die Genesung kann sehr lange dauern und mit langen Spitalsaufenthalten verbunden sein. Außerdem kann auch die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sein und die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt werden.

Unbehandelt kann eine Hirnhautentzündung zum Tod führen. Im Jahr 2018 wurden in Österreich fünf Todesfälle registriert.

Wie schütze ich mich vor FSME?

Am besten schützen Sie sich, indem Sie Zeckenstiche vermeiden. Zecken leben auf dem Boden oder in Büschen. Der typische Lebensraum sind Waldwege mit begrüntem Waldboden, auf dem eine Streuschicht liegt, oder Bachläufe mit Gebüsch und hohes Gras. Daher beim Aufenthalt im Freien hohes Gras, Dickicht und Gebüsch vermeiden.

Zeckenschutzimpfung

Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Nach einer Grundimmunisierung durch drei Impfungen hintereinander folgt eine Auffrischung nach drei Jahren, danach alle fünf Jahre bis zum vollendeten 60. Lebensjahr. Ab dem 60. Lebensjahr muss die Impfung alle drei Jahre wieder aufgefrischt werden. Wichtig ist, dass Sie das Impfschema einhalten, damit ein wirksamer Schutz garantiert ist.

Kinder können ab dem vollendeten 1. Lebensjahr, frühestens ab dem vollendeten 6. Lebensmonat geimpft werden.

Bei einer Titerbestimmung wird untersucht, ob das Blut genügend Antikörper aufweist, um ausreichend gegen eine Krankheit zu schützen. Diese Bestimmung ist derzeit noch sehr ungenau.  Aufgrund der Antikörper-Bestimmung zu entscheiden, ob man sich gegen FSME impfen lässt oder nicht, ist also eher schwierig. Darüber hinaus kostet die Titerbestimmung Geld – unter Umständen mehr als die Impfung.

Leider ist FSME nicht im kostenfreien Impfprogramm enthalten. Informationen über Impfaktionen und Zuschüsse erhalten Sie bei der zuständigen Krankenkasse. Die OÖGKK hat ihre Impfaktion im Februar 2019 eingestellt. Sie verweist auf den Hausarzt. Hier liegen die Kosten in der Regel bei rund 36,- Euro für den Impfstoff und 15,- Euro für die Impfung.

Was ist Borreliose?

Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion. Sie kann unterschiedliche Organe wie Haut, Herz, Augen, Gelenke oder das Nervensystem betreffen. Die häufigste Form ist die Lyme-Borreliose. Der Name geht auf den amerikanischen Ort Lyme zurück. Hier traten Mitte der 70er Jahre vor allem bei Jugendlichen nach Zeckenstichen gehäuft Gelenksentzündungen auf.

Da die Borreliose-Bakterien im Darm der Zecke sitzen, kann es einige Stunden dauern, bis sie nach einem Stich ins Blut gelangen. Die Zeit zwischen Übertragung der Bakterien bis zum Ausbruch der Krankheit liegt zwischen wenigen Tagen bis zu drei Wochen. Manchmal tritt die Borreliose auch erst nach Monaten auf, z. B. wenn die Nerven angegriffen werden.

Welche Symptome treten bei Borreliose auf?

Häufig tritt eine sogenannte „Wanderröte“ auf. Dabei handelt es sich um einen kreisrunden hellroten Ausschlag rund um die Einstichstelle, der sich ausdehnt. Weitere Symptome der Borreliose ähneln einer Erkältung.

In 10 % der Fälle tritt eine Neuro-Borreliose auf. Zu den Symptomen gehören brennende Schmerzen vor allem nachts, teilweise mit Lähmungserscheinungen.

Da der Verlauf einer Borreliose nicht immer eindeutig und identisch ist, ist sie im Frühstadium schwer erkennbar. Tritt eine größer werdende Hautrötung um die Stichstelle auf, sollte man zum Arzt gehen. Normal ist eine gerötete Fläche um die Stichstelle, die länger bleibt, bis sie wieder verschwindet.

Welche Folgen hat Borreliose?

In der Regel lässt sich Borreliose mit Antibiotika behandeln. Sie hinterlässt allerdings keine Immunität, deshalb kann man mehrfach daran erkranken. Herzmuskelentzündungen sind eher selten.

In Österreich erkranken nur rund 3 % der von einer Zecke gestochenen Personen an Lyme-Borreliose.

Wie schütze ich mich vor Borreliose?

Auch hier gilt, Vorsorge ist der beste Schutz. Darum erst gar nicht von einer Zecke stechen lassen.

  • Geschlossene Kleidung tragen = feste Schuhe, lange Hose, lange Ärmel. Zecken stechen nicht durch Textilien hindurch. Aber Achtung: Sie wandern auf der Kleidung umher, um eine geeignete Stelle auf der Haut zu finden. Deshalb sollten Hosenbeine und Ärmel an den Gelenken eng anliegen.
  • Socken über die Hosenbeine ziehen.
  • Helle Kleidung tragen. Das hält zwar die Zecken nicht ab, aber man sieht sie besser und kann sie so leichter entfernen.
  • Kinder sollten eine Kopfbedeckung tragen, weil sie öfter an Kopf und Hals gestochen werden.
  • Zeckenschutzmittel, sogenannte Repellents (z. B. Nobite oder Anti Brumm), bieten zeitweise einen gewissen Schutz.
  • Haustiere können Zecken ins Haus tragen, daher sollten auch sie einen Zeckenschutz tragen.
  • Nach dem Aufenthalt im Freien die Kleidung ausziehen und auf Zecken kontrollieren. Zecken können z. B. mit einer Kleiderrolle von Textilien entfernt werden.
  • Den Körper nach Zecken absuchen. Da sie nach einer geeigneten Hautstelle suchen, können sie Stunden auf dem Körper krabbeln ohne zu stechen.
  • Eine Dusche kann noch nicht verankerte Zecken abspülen.
  • Von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften wurde eine Zecken App entwickelt, die aus einem Warn- und einem Informationsteil besteht.

Hier stechen Zecken gerne

Bevorzugte Körperpartien sind gut durchblutete, warme, weiche Stellen:

  • Genitalien
  • Oberschenkel Innenseite
  • Kniekehle, Armbeuge
  • Bauchnabel
  • Hautfalten z. B. unter den Brüsten
  • Achselhöhlen
  • Schultern
  • Hals und Nacken
  • Kopfhaut, Haaransatz
  • Ohrmuschel, hinter den Ohren

Häufige Einstichstellen

Kinder (0 – 12 Jahre)Erwachsene
40 % Kopf, Hals  4 % Kopf, Hals
29 % Oberkörper mit Armen24 % Oberkörper mit Armen
31 % Unterkörper72 % Unterkörper

Zecken richtig entfernen

Am besten geeignet sind spezielle Zecken-Pinzetten, Zeckenkarten oder spitz zulaufende Pinzetten. Damit die Zecke so dicht wie möglich an der Haut greifen und langsam senkrecht aus der Haut ziehen.

Wichtig ist, die Zecke nicht zu zerdrücken, damit sie keine Krankheitserreger in die Wunde abgibt.

Öl, Nagellack, Klebstoff & Co. sollten Sie gleich wieder vergessen. Zecken atmen nur rund 1 bis 2 Mal in der Stunde. Der Versuch, sie mit diesen „Hausmitteln“ zu ersticken, ist daher relativ sinnlos. Im Gegenteil. Im Todeskampf könnte die Zecke erst recht Krankheitserreger übertragen.

Wenn Sie keine Pinzette oder Zeckenkarte zur Hand haben, können Sie es auch mit den Fingernägeln versuchen. Das erfordert aber etwas Übung.

Nachdem Sie die Zecke entfernt haben, die Einstichstelle desinfizieren, zum Beispiel mit Alkoholtupfern, die es in der Apotheke gibt. Danach Hände waschen.

Die Einstichstelle regelmäßig kontrollieren.

Bleibt der Kopf oder der Rüssel in der Wunde stecken, ist das nicht weiter tragisch. Nicht in der Wunde „herumbohren“. Im Normalfall entfernt die Haut die Reste von selbst.

Was ist, wenn ich eine Zecke nicht entferne?

Eine Zecke saugt in der Regel mehrere Tage Blut und lässt sich auf den Boden fallen, wenn sie satt ist. Das kann bei einem erwachsenen Weibchen zwischen sieben und elf Tagen dauern. Das ist eine lange Zeit, um Bakterien zu übertragen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Borrelien hängt allerdings auch vom Entwicklungsstadium der Zecke ab. Nur etwa 1 % der Larven (erstes Stadium) trägt diese Bakterien in sich. Ungefähr 10 % der Nymphen (zweites Stadium) und 20 % der erwachsenen Tiere (drittes Stadium) haben Borrelien.

Kann man sich gegen Zecken versichern?

Einige Versicherungen bieten im Rahmen einer Unfallversicherung die Kostenübernahme für FSME-Schutzimpfungen an. Darüber hinaus werden auch Einmalzahlungen bei schwerer Verlaufsform von FSME mit dauerhaften körperlichen Schäden angeboten. Hier gilt es, die einzelnen Angebote zu prüfen.

5 Mythen und die Wahrheit über Zecken

  1. Zecken lassen sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen.
    Stimmt nicht: Zecken leben auf dem Boden oder im Dickicht. Je nach Entwicklungsstadium können sie maximal auf eine Höhe von 1,50 Metern klettern. Das ist aber eher selten.
  2. Ich muss mich nur im Sommer vor Zecken schützen.
    Falsch: Ab einer Temperatur von ca. 5 bis 7 Grad Celsius werden Zecken aktiv. Richtig „wohl“ fühlen sie sich zwischen 10 und 20 Grad. Deshalb haben Zecken von März bis November Hochsaison. 2018 trat allerdings der letzte FSME-Fall in Österreich im Dezember auf. Da der Klimawandel für immer mildere Temperaturen sorgt, verlängert sich auch die aktive Phase der Zecken. Ist es häufig schön und angenehm warm, halten sich auch mehr Leute im Freien auf. Damit erhöht sich auch das Risiko für einen Zeckenbiss beim Menschen.
  3. Ich kann mich nur in Risikogebieten mit FSME infizieren.
    Irrtum: Überall, wo es Zecken gibt, kann man sich infizieren. Es gibt Berichte von Zecken mit FSME-Virus in Höhen von über 1.500 Metern. Selbst auf einer finnischen Insel 300 Kilometer vom Polarkreis entfernt soll man Zecken gefunden haben. Auch hier spielt der Klimawandel eine Rolle. 
  4. Die Schutzimpfung wirkt gegen alle Zeckenkrankheiten
    Stimmt nicht: FSME ist eine Viruserkrankung, deshalb gibt es auch einen Impfstoff. Die Borreliose dagegen ist eine bakterielle Erkrankung und kann nur mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem kann man immer wieder an Borreliose erkranken.
  5. Zecken gibt es nur im Wald
    Nein, Zecken leben von Blut. Überall, wo es Wirtstiere (z. B. Mäuse oder Vögel) gibt, gibt es Zecken. Demzufolge können sie also auch in Gärten und Parks vorkommen.

Kurioses aus der Welt der Zecken

  • Zecken können hungern. Es gibt Laborberichte nach denen eine Zecke bis zu 10 Jahre ohne Nahrung ausgekommen ist.
  • Sie atmen nur 1 bis 2 Mal in der Stunde.
  • Zecken können bis zu 21 Tage unter Wasser verbringen.
  • Die Spinnentiere überstehen einen 40 Grad Waschgang in der Waschmaschine.
  • Zecken sehen ihre Opfer nicht. Sie reagieren auf Geruch, Körperwärme und Kohlendioxid (Atemluft). Eine Ausnahme ist die Hyalomma-Zecke. Dieser exotische Vertreter aus Nordafrika ist agiler und schneller als der heimische Gemeine Holzbock und hat Augen. Sie überträgt das Krim-Kongo-Virus und Fleckfieber.

Redaktion Keine Sorgen Blog / Autor: Heike Peuser