Körperliche Fitness

Corona: Schützt Sport vor dem Virus?

Ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Noch immer wissen Mediziner und Forscher rund um den Globus ziemlich wenig über SARS-CoV-2, so die Abkürzung für den englischen Namen „Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2“. Aber sie gewinnen laufend neue Erkenntnisse. Unter anderem über den Zusammenhang zwischen Krankheitsverlauf und körperlicher Fitness. Manche Sportarten unterstützen die körperliche Fitness dabei mehr als andere.

Übergewicht erhöht das Risiko eines tödlichen Verlaufs von Covid-19

Das britische Gesundheitsministerium beobachtet, dass Übergewicht das Risiko eines tödlichen Verlaufs von Covid-19 erhöht. Eine Studie hat ergeben, dass bei Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 35 bis 40 das Sterberisiko durch Covid-19 um 40 Prozent und bei einem BMI von mehr als 40 um 90 Prozent im Vergleich zu Menschen ohne Fettleibigkeit steigt.

Mit einem BMI ab 25 gilt man als übergewichtig. Ab einem BMI von 30 oder mehr gilt man als adipös, also  krankhaft fettleibig.

Körperliche Fitness schützt nicht vor dem Virus
– hilft aber, die Krankheit besser zu überstehen

Der britische Premier Boris Johnson, der selbst schwer an Corona erkrankt war und auf der Intensivstation behandelt werden musste, verordnet seinen Landsleuten nun ein Fitnessprogramm. Mehr Bewegung und weniger Fett – so könnte man die Kampagne auf den Punkt bringen.

Großbritannien ist nach wie vor das am stärksten getroffene Land Europas. Die Johns-Hopkins-Universität zählt dort mehr als 303.000 Infektionen und 46.046 Tote. Nach Behördenangaben hat das Land in der Pandemie auch die höhste Übersterblichkeit in Europa. Mit Übersterblichkeit ist die Differenz zwischen der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gemeint. Berechnungen der Financial Times zufolge liegt sie in Großbritannien für die Zeit der Pandemie bei 65.700. 

Auch deutsche Mediziner stellen fest, dass Menschen mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen tendenziell einen schlimmeren Krankheitsverlauf aufweisen als Personen ohne diese Erkrankungen.

Bis zu 50 Prozent und damit auffallend viele Personen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus versorgt werden müssen, weisen Erkrankungen des Herzens oder auch der Gefäße auf. Außerdem zeigt die Krankheit bei diesen Personen häufig einen schweren Verlauf. Für Jörg Janne Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung der Universitätsklinik Köln hat das einerseits mit dem Alter der Patienten zu tun. Aber unabhängig davon erhöhen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems das Risiko, dass Covid-19 nicht glimpflich abläuft.

Übergewicht ist Ursache vieler Erkrankungen

Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzschwäche – die Liste der Krankheiten, die durch Übergewicht ausgelöst werden können, ist lang. Und diese Begleit- oder Folgeerkrankungen haben wiederum Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf von Covid-19. Das Robert Koch-Institut zählt Diabetes-Patienten zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf der Krankheit. Untersuchungen legen nahe, dass vor allem Diabetiker, die stark übergewichtig sind oder zusätzlich an Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen leiden, stark betroffen sind.

Herz und Kreislauf durch Joggen stärken

Für den Sportmediziner der Berliner Charité, Paul Schmidt-Hellinger, ist Joggen eine wahre Wunderwaffe gegen Herz- und Kreislauferkrankungen. Ein besseres Ausdauertraining gibt es seiner Meinung nach kaum. Darüber hinaus stärke lockeres Laufen Sehnen, Bänder, Knochen und vor allem die Muskulatur. Laut Schmidt-Hellinger schade Laufen auch nicht den Gelenken. Im Gegenteil. Knorpel brauche ein gewisses Maß an Stoßbelastung. Bauen sie sich ab, sei zumeist das viele Sitzen daran schuld.

Sportarten, die Lebensjahre schenken

Im Rahmen der Copenhagen City Heart Study wurden über einen Zeitraum von 25 Jahren die Gesundheitswerte und Lebensdauer von fast 9.000 Menschen verglichen. Unter anderem wurde ein Ranking der Sportarten, die mehr Lebenszeit bringen, erstellt. Ganz oben auf der Hitliste steht Tennis, das laut Studie 9,7 Extra-Lebensjahre schenkt. Das Ganzkörpertraining fördert Ausdauer, Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Koordination. Joggen belegt mit +3,2 Jahren den sechsten Platz.

Weniger Ansteckungsrisiko bei Bewegung im Freien

Die meisten Sportarten auf dieser Liste lassen sich zudem im Freien betreiben. In Zeiten von Corona ein zusätzlicher Pluspunkt. Unter Virologen besteht weitgehend Einigkeit, dass das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen weitaus höher ist als im Freien. Japanische Forscher sollen herausgefunden haben, dass es sogar 18,7 Mal wahrscheinlicher ist, sich in geschlossenen Räumen als im Freien anzustecken.

Fazit

Körperliche Fitness ist sicher keine Garantie dafür, dass man eine Corona-Ansteckung problemlos übersteht. Aber es zeigt sich international, dass Personen mit sogenannten Vorerkrankungen eher an einem schweren Krankheitsverlauf leiden. Und eine ganz Reihe dieser Vorerkrankungen sind auf einen ungesunden Lebenswandel zurückzuführen. Oder eben auf mangelnde Fitness. Daher sind regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivitäten wohl kein Fehler – ganz unabhängig von Covid-19. 

Was für Sportarten und deren Ausübung in Österreich aktuell (Stand 01. August 2020) gilt, ist auf den Seiten des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport nachzulesen.

Autorin: Heike Peuser