Im hohen Alter Auto fahren

Autofahren im Alter – Ist man dafür noch fit genug?

Passieren Unfälle mit Verkehrsteilnehmern im hohen Alter stellt sich schnell die Frage, ab welchem Alter man zur Gefahr im Straßenverkehr wird. Das lässt sich nicht generell beantworten, denn dies wird auch in (öffentlichen) Statistiken zu wenig erfasst. Fest steht: Es gibt Risikofaktoren für das Autofahren im Alter, aber auch Möglichkeiten, seine eigene Fahrfähigkeit laufend zu überprüfen.

Mobil zu sein ist ein Grundbedürfnis

Mobil, nicht auf andere angewiesen zu sein ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Der Führerschein und damit verbunden das eigene Auto sind besonders am Land zumeist schlichtweg auch eine Notwendigkeit. Vor allem für ältere Verkehrsteilnehmer, die sonst ihre Einkäufe und Arztbesuche nicht selbständig erledigen können. Die Familie als jederzeit abrufbares Fahrservice funktioniert nur bedingt, zumal auch das Leben im Mehrgenerationenhaushalt tendenziell weniger wird. Wer ein Leben lang Auto gefahren ist, möchte dies daher solange es geht auch weiter nützen.

Keine Altersbeschränkung für den Führerschein

In Österreich gibt es nach oben keine Altersbeschränkung für den Führerschein. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie im Jahr 2013 ist die Gültigkeit des Führerscheins zwar auf 15 Jahren festgelegt und muss nach diesem Zeitraum neu ausgestellt werden. Die Neuerstellung dient aber nur der Erneuerung des Fotos, eine verpflichtende ärztliche Untersuchung ist nicht vorgesehen.

Die Abnahme des Führerscheines und der Entzug der Lenkberechtigung sind bei besonders schweren, im Gesetz aufgezählten Übertretungen von Verkehrsvorschriften oder auch aus gesundheitlichen Gründen möglich, nicht aber aus Altersgründen.

Autofahren im Alter = höheres Unfallrisiko?

Das Unfallrisiko für Menschen im hohen Alter ist in Österreich in (öffentlichen) Statistiken zu wenig erfasst. Die Statistiken in Deutschland (Presseinfo Gesamtverband Deutscher Versicherungswirtschaft GDV) zeigen aber, dass Senioren drei Viertel aller Unfälle, an denen sie beteiligt sind, selbst verursachen. Dieser Anteil ist damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 21-Jährigen. (Anmerkung: Gilt vor allem für Autofahrer ab 75 Jahren)

Laut GDV machen vor allem die komplexen Verkehrssituationen Probleme, deshalb nehmen im Alter die Kreuzungsunfälle zu.

Die Überhol- und Geschwindigkeitsunfälle nehmen dagegen ab. Denn den gesundheitlichen Begleiterscheinungen des Alters wie Hör- und Seheinschränkungen, verminderter Reaktionszeit oder eventuell schlechterer Konzentration aufgrund von Medikamenten stehen auf der anderen Seite zumeist ein höheres Maß an Erfahrung, Routine und geringere Risikofreude entgegen. Personen im hohen Alter vermeiden im Normalfall lange Fahrten, widrige Straßenbedingungen oder Fahrten bei Schlechtwetter. Sie fahren mit reduzierter Geschwindigkeit, halten mehr Abstand und sind weniger gefährdet, durch Handy oder Navi-Geräte abgelenkt zu werden.

Alt ist nicht gleich alt

Das biologische Alter als Gradmesser für die Fahrtüchtigkeit lässt sich nicht ohne weiteres heranziehen. Alt ist nicht gleich alt. Manche 80 Jährige sind heute geistig und körperlich fitter und leistungsfähiger als jüngere.

Im Gegensatz nützen viele junge und mittlere Autofahrer ihr Fahrzeug heutzutage so wenig, dass es ihnen an Fahrpraxis fehlt. Wer vertraut hier nicht doch eher älteren Personen, die tagtäglich seit Jahren im Straßenverkehr unterwegs sind?

Gesundheitliche Beschwerden nicht kleinreden

Nichtsdestotrotz darf man gesundheitliche Beschwerden, die mit hohem Alter einhergehen, nicht kleinreden. Doch wer legt fest, ab wann die Gefahr für den Straßenverkehr zu groß wird. Eine gewisse Regelmäßigkeit von kleineren Parkschäden? Steigende Verwarnungen wegen Falschverhaltens im Straßenverkehr? Das andauernde Fahren im Schritttempo, weil man sich persönlich nicht mehr zutraut? Wie lange soll man der Selbsteinschätzung trauen oder ab wann müssen auch besorgte Familienmitglieder einschreiten?

Lassen Sie Experten die Situation einschätzen

Gut gemeinte Ratschläge von Familienmitgliedern erzeugen meist negative Reaktionen und eine Abwehrhaltung. Zielführender ist es daher, die Meinung und das Wissen von Experten für die Situation einzuholen. Dies ist auf der einen Seite der Arzt des Vertrauens, der über individuelle Aus- und Nebenwirkungen von Krankheiten und Medikamenten aufklären kann. Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Fahrtechniktrainings, die sich bewusst an die Zielgruppe 60+ wenden. Neben einem Check des aktuellen Könnens werden dabei auch moderne Sicherheitssysteme wie ABS und ESP erklärt. Die besten Sicherheitssysteme helfen wenig, wenn man nicht weiß, wie man damit umgehen kann. Generell gibt es auch Fahrzeugmodelle, die stärker auf die Bedürfnisse von älteren Verkehrsteilnehmern ausgerichtet sind. Je sicherer man sich mit dem Auto fühlt umso sicherer wird auch das Gefühl im Straßenverkehr sein.

Redaktion Keine Sorgen Blog / Autor: Katharina Gstöttenbauer